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Letzter Rundbrief

  • Autorenbild: Noomi Koechli
    Noomi Koechli
  • 21. Feb.
  • 3 Min. Lesezeit

Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR. (Jesaja 55.8)


Liebe Leserinnen und Leser


Diesen letzten Rundbrief schreiben wir mit Schweizer Boden unter den Füssen. Seit unserem letzten Schreiben hat sich unser Leben erneut in grossen Wellen bewegt. Wieder haben wir einen ganzen Hausstand aufgelöst, Kisten gepackt, Dinge verschenkt, Erinnerungen sortiert. Wieder hiess es Abschied nehmen von Menschen, die uns ans Herz gewachsen sind.


Und dann war da noch dieser spürbare Unterschied: dreissig Grad weniger. Eine Zahl – und doch mehr als das. Die Kälte kroch uns nicht nur unter die Jacken, sondern auch in unser Empfinden. Sie machte uns bewusst, dass wir tatsächlich angekommen sind – und gleichzeitig neu beginnen müssen.


Anpassungen und Vertrauen


Vielleicht mag jemand denken: Die Temperaturen sind doch das Geringste unter all den Veränderungen. Und doch hat uns gerade das Kleine überrascht. Wie sehr äussere Umstände das innere Befinden beeinflussen können!


Unsere Zweijährige musste hier neu lernen, wie man mit dicken, schweren Winterstiefeln läuft. Ihre ersten Schritte waren tapsig, vorsichtig, ein wenig unsicher. Ein Bild, das uns nicht mehr loslässt. So fühlen auch wir uns: Wir tasten uns Schritt für Schritt vorwärts.


Obwohl wir nicht lange weg waren, wissen wir nicht genau, was uns hier erwartet. Wo ist unser Platz? Wie geht es weiter? Nur Gott weiss es. Seine Gedanken sind höher, seine Wege weiter als unsere. Dank unseren Eltern, lieben Freunden und unserer Gemeinde durften wir einen äusserst herzlichen Empfang erleben. Wir wurden getragen, umsorgt und liebevoll aufgefangen. Und dennoch bleibt dieses leise Fragen im Herzen: Wo ist unser Zuhause? Wo möchte Gott uns haben?


Home


Das Thema Heimat hat uns während unserer Zeit in Costa Rica intensiv beschäftigt. Jedes Herz sehnt sich nach einem Daheim. Und wir wissen: Solange wir auf dieser Erde unterwegs sind, bleibt eine leise Sehnsucht bestehen – ein Heimweh nach unserem eigentlichen, ewigen Zuhause bei Gott.


Und doch wünschen wir uns auch hier einen Ort, den wir Zuhause nennen dürfen. Einen Platz, den unsere Kinder als ihr Nest empfinden können. Im Moment sehen wir noch keine klaren Wegweiser. Aber wir sind dankbar. Von Herzen dankbar. Wir dürfen im Hier und Jetzt in einer grossartigen Wohngemeinschaft bei Noomis Eltern am wunderschönen Zürichsee in Meilen leben. Ein Ort der Geborgenheit. Vielleicht ein Ort des Übergangs. Von hier aus gehen wir Schritt für Schritt weiter – im Vertrauen, dass Gott zur richtigen Zeit Türen öffnet.


Kleine Geschichten von Heimkehrenden


Die Umstellung zeigt sich oft in den kleinen, fast amüsanten Momenten des Alltags.

Unsere Kinder müssen nun mehrere Schichten anziehen, bevor sie das Haus verlassen dürfen. Der erste Blick, als wir Jacken hervorholten, war unbezahlbar. Keines wusste so recht, welcher Arm in welchen Ärmel gehört – geschweige denn, wie ein Reissverschluss funktioniert.


Velobremsen mit eiskalten Fingern zu ziehen, ist übrigens deutlich schwieriger als mit warmen – eine schmerzvolle Erkenntnis für s’Grossmami.


Kian wirft das WC-Papier noch immer in den Abfalleimer. Für ihn ist es unverständlich, dass man es hier plötzlich in die Toilette werfen darf – nachdem Mama früher bei jeder „Papier-Verirrung“ streng reagiert hatte.


Und wo sind eigentlich die Geckos? Die kleinen, flinken Mitbewohner fehlen. Niemand, auf den man sich mit kindlicher Begeisterung stürzen kann.


Unser Jüngster, unser Geschenk Gottes – Kailo – trägt seinen Namen mit der ihm angeborenen bewundernswerten Gelassenheit. Er lächelt sich durch diese Veränderungen hindurch. Doch auch bei ihm merken wir: Die innere Uhr tickt noch anders. Während er in Costa Rica durchschlief, verlangt er hier nachts wieder häufiger nach Nahrung – tagsüber hingegen scheint er zu fasten. Vielleicht lebt er noch in der costa-ricanischen Zeit.


Abschliessen und Danke sagen


Letzte Woche durften Patrick und Noomi bei Indicamino das Abschlussgespräch führen. Es war ein wertvoller Austausch, in dem wir unter anderem organisatorische Fragen klären und innerlich einen runden Abschluss finden konnten. Mit diesem Monat endet unser Anstellungsverhältnis bei der Missionsorganisation. Alle Spenden, die ab März bei Indicamino in unserem Namen eingehen, werden anderen Projekten zugutekommen.


Von Herzen danken wir euch für eure treue Unterstützung, eure Gebete, euer Mittragen und eure Grosszügigkeit in all den vergangenen Monaten. Ihr wart ein wichtiger Teil unserer Reise.


Dies ist unser letzter Rundbrief der Serie „Familie Zgraggen mit Indicamino in Costa Rica“.


Auf unserer Webseite findet ihr im Blog eine Bilderserie aus unserer Zeit in Costa Rica.

Auch diesem letzten Rundbrief hängen wir eine Seite mit Bildern an, die dieses wunderschöne Stück Erde ehren. Eine weitere Perle aus Gottes erhabener Schöpfung.


Wir verabschieden uns mit Dankbarkeit im Herzen – und im Vertrauen darauf, dass Gottes Wege gut sind, auch wenn wir sie noch nicht ganz erkennen.


Mit herzlichen Grüssen


Eure Familie Zgraggen





 
 

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